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FIXED ALPCROSS

fxd alpcross - movie (6)

Photos: Joni Zaza (jonizaza.de)

 

Die Idee

Der Grundgedanke eine Alpenüberquerung mit starrer Nabe zu machen fiel im Frühling 2012. Wir haben bereits letztes Jahr einige längere Touren bestritten und brauchten eine neue Herausforderung. Als ich meinem Team von der Idee erzählte waren alle begeistert und wir mussten nur noch den richtigen Termin finden. Nun ging die Recherche los… Welche Route? Wieviel km und hm sind pro Tag machbar? Ist es überhaupt möglich? Welche Übersetzung? Welche Kleidung? Etc..

Das Team

Insgesamt waren wir vier Fahrer (Björn, Max, Jens und Ich), ein Filmer und zugleich Fotograf (Jonas Zaza) sowie ein Kameraassistent/ Autofahrer/ Motivator (Christoph alias Jogi). Im Vorfeld haben wir bereits öfters zusammen trainiert und haben bereits längere Strecken wie z.b. Berlin-Dresden (210km) fixed zurück gelegt. Wir waren also „perfekt“ vorbereitet… dachten wir zumindest!

 

Das Equipment/ Die Bikes

An unseren Bikes wollten wir möglichst wenig verändern… Keep it real usw. dachten wir uns! Zweiter Satz Laufräder? Verschiedene Bikes für bergauf, bergab? Da könnten wir ja gleich mit dem Rennrad fahren… Wir einigten uns darauf dass wir mit zwei Ritzeln fahren würden. 48/19 als Bergübersetzung und 48/17 für die Geraden sowie Bergab. Da wir alle Flip Flop Laufräder hatten, war es kein Problem das Laufrad innerhalb kürzester Zeit umzudrehen. Als Begleit- sowie Filmfahrzeug hatten wir den 8bar Transporter. Da der Transporter nach hinten geschlossen war, befestigten wir einfach einen alten Autositz entgegen der Fahrtrichtung und fuhren mit offener Heckklappe… Ich frage mich immer noch wie Jonas das bei 70km/h bergab ausgehalten hatten und nebenbei noch am Filmen war?!? Vielleicht hat ihm aber gerade das Filmen vom Asphalt abgelenkt, der sich gerade mal 30cm unter ihm vorbei bewegte…

Durch unsere Sponsoren Oakley, Schwalbe, Cat Eye, komoot, Elite, Sport Beans und mulebar waren wir zudem perfekt ausgestattet und perfekt auf die Tour vorbereitet.

 

TAGEBUCH:

TAG 1 (aus der Sicht von Stefan)

Wir kamen am Sonntagmittag an unserem Startpunkt Mittenwald an. Das Wetter war leicht bewölkt und es hatte gute 20°C. Ein perfekter Start… Auf der Autofahrt waren alle noch gut drauf und es wurde viel gelacht. Als wir dann jedoch kurz nach München das Alpenpanorama sahen wurde es immer stiller… Fragen über Fragen: Da sollen wir wirklich mit einem Gang rüber kommen? Wird es Gewittern wie vorhergesagt? Machen das meine Knie das mit? Dann ging es in den ersten Anstieg. Kurve um Kurve schlängelte sich die Straße direkt von Mittenwald aus nach oben… Wir starteten sozusagen von 0 auf 100. Es wurde schnell klar, dass 48/19 wohl eher als „Bergübersetzung für Berliner Gefilde geiegnet war… Die Stimmung war trotzdem locker und wir waren alle guter Dinge. Nun merkten wir, dass sich die wochenlange Vorbereitung ausgezahlt hatte. Unser Weg führte uns durch eine Hochebene und wir erwarteten schon alle mit Spannung den ersten Downhill. Nun kam die zweite Herausforderung… fixed bergab und das 5km mit zahlreichen Serpentinen. Wir brauchten alle ein paar Kurven bis wir uns an die hohe Geschwindigkeit sowie Trittfrequenz gewöhnten, doch dann fing es an richtig Spaß zu machen und wir wurden immer schneller. Max und Ich versuchten uns mit den ersten Skids in den Serpentinen und hatten einen Riesen Spaß. Im Tal angekommen warteten wir auf einander und hatten alle ein breites Grinsen im Gesicht und ich kann mich noch an Max Worte erinnern: „Das ist so bescheuert dass es schon wieder richtig Spaß macht.“

Die letzten 30km ging es dann noch einmal steil bergauf und dann leicht bergab… Wir rollten gegen Abend an unserem ersten Zwischenstopp Imst ein und freuten uns auf die lokale österreichische Küche und ein kühles Bier… Die zweite Etappe konnte kommen!!!

 

TAG 2 (aus der Sicht von Jens)

Das Frühstück am Morgen war lecker und wie in Österreich üblich von Tiroler Volksmusik begleitet. Was bei uns am Tisch nur bedingten Anklang fand… Meine Stimmung war zudem etwas betrübt, da ich auf Grund der ungewöhnlichen Belastung bereits massive Knie-, Bänder- sowie Sehnenschmerzen hatte.

Nach den üblichen Vorbereitungen ging es los in Richtung Reschensee, unserem zweiten Ziel. Als Highlight dieser zweiten Etappe darf man unbestritten die sogenannte “Nobertshöhe” erwähnen, die uns bei km 68 erwartete. Ich kannte diesen Anstieg bereits durchs Rennradfahren und warnte meine drei Mitstreiter vor dieser miesen steilen Rampe mit insgesamt 11 Kehren, die sich auf in Kürze auf 1.405m ü NN. hochwinden. Nun aber galt es mit einem starren Gang hochzufahren und das mit unserer 48-19 „Bergübersetzung”. Die ersten Kehren sind wir noch mit ordentlichem Druck hochgekeult, nach der vierten Kehre brannten meine Schenkel jedoch bereits wie Hölle und mein Pulsmesser zeigte äußerst bedenkliche Werte von weit über 180 Schlägen an. Keiner von uns dachte jedoch an stehen bleiben oder gar schieben…no fucking way! Wir motivierten uns gegenseitig und fuhren alle am Limit. In der letzten Kehre wurde mir kurz schwarz vor Augen und ich fuhr im Robotermodus. Ich verfluchte den “Norbert”, die Berge, die Strasse, den Trip, meine Knie, die Übersetzung, einfach alles stellte ich kurzzeitig in Frage… Aus purer Verzweiflung verschärfte ich das Tempo dann noch einmal auf den letzten Metern, dann hatten wir es jedoch endlich geschafft. Oben angekommen, war es bei allen die pure Glücksausschüttung, Freude und Zufriedenheit zugleich. Wir hatten “Norbert” bezwungen… und das am Stück! Nach einer kurzen Pause ging es dann moderat abwärts in Richtung Nauders und dann weiter zum Reschensee. Am Abend gab es leckere Tiroler Kost. Nach dem üblichen “Feierabendbier” in gemeinsamer Runde mit Blick auf den Reschensee dauerte es nicht mehr lange bis wir alle in unseren wohl verdienten Schlaf versanken.

 

TAG 3 (aus der Sicht von Max)

Der dritte Tag unserer Tour hatte eine Strecke von 150 Kilometern. Welche hauptsächlich bergab und durch das Vinschgauer Tal verlief. Nach dem kleinen Norbert-Intermezzo vom Vortag war ich sehr froh über das Streckenprofil, allerdings war ich mir bewusst, dass man 150 Kilometer auch nicht so einfach wegteigt. Diese anfänglichen Sorgen waren nach den ersten Kilometern entlang des Reschensees schnell verflogen. Wir hatten perfektes Wetter und fuhren auf einen schönen kurvenreichen Fahrradweg runter ins Vinschgau. Mir ging mir das Lachen nicht mehr aus dem Gesicht. Ich werde diese Abfahrt mit bis zu 20% Gefälle sowie die puren Emotionen nicht mehr vergessen… Ich war doch sehr Überrascht, wie schnell sich Beine bewegen können.

Die sogenannte „Fahrradautobahn“, ein Fahrradweg welcher nahezu komplett durchs Vinschgau führt, leitete uns durch Apfel- und Weinplantagen. Nach geschafften 100 Kilometern machten wir eine kurze Pause, die bei 30°C auch dringend nötig war. Bei einer Erholungsphase mit Eiskaffee in einer Tourifalle und einer kurzen Unterrichtsstunde zum belgischen Kreisel ging es motiviert weiter.

Das neu erworbene Wissen konnte dann auch gleich umgesetzt werden, als uns auf den letzten 30 Kilometern ein Gegenwind vom Allerfeinsten entgegen peitschte.

Mit müden Beinen erreichten wir erleichtert unser heutiges Ziel und der Springbrunnen auf dem Dorfplatz wurde gleich als Kneippbad zweckentfremdet. Nach dem ersten kühlen Bier und 150 geschafften Kilometern in den Beinen wuchs die innere Zufriedenheit. Der dritte und vorletzte Tag war geschafft und das Wissen über die letzte und wohl härteste Etappe mit 1.500hm störte erst einmal Niemanden mehr.

 

TAG 4 (aus der Sicht von Björn)

Als ich mit schweren Beinen aufwachte hatte ich nur einen Gedanken im Kopf… Heute Abend chillen wir am Gardasee! Ich erinnere mich dabei an Stefans Worte als er sagte, dass die Norbertshöhe unser höchster und steilster Anstieg gewesen sein sollte. Ein Trugschluss?!? Ein Blick auf die heutige Strecke inkl. Höhenprofil lässt mich zweifeln… Nach einem reichhaltigen Frühstück machten wir uns auf die Socken! Nach 10 lockeren Kilometern bis Mezzolombardo begann bereits der Anstieg. Ein Anstieg, der kein Ende nehmen wollte. Wie eine glühend heisse Teerschlange zog sich die Straße den Berg hoch. Nichts desto trotz bezwangen wir bei Temperaturen jenseits der 30°C letztendlich fluchend den Berg. Es zeigte sich mal wieder dass 48/19 nicht gerade die optimale Übersetzung für einen Alpencross ist… Von nun an ging es größtenteils bergab. So ging es weiter bis zu einem türkisblauen Bergsee bei Molveno, an dem wir uns nach einem Reifenplatzer aufgrund eines komplett durchgeskiddeten Reifens eine kleine Stärkung gönnten… Danach fuhren wir die zuvor mühsamen erklommenen Höhenmeter über enge Serpentinen und hohe Brücken bergab und warteten bei jeder Kurve darauf dass sich das Panorama des Gardasees vor uns auftun könnte… doch das Einzige was sich auftat waren dunkle Wolken am Himmel. Es schüttete heftig als wir die engen Kurven ins Tal runter rutschten. Doch dann lag er plötzlich vor uns, der Lago di Garda. Wir hatten es geschafft… Die letzten 400km waren anstrengend, doch dieses Panorama war es auf jeden Fall Wert. Der Lago di Garda liegt wunderschön eingebettet in Mitten von riesigen Bergen. Wir waren alle zufrieden und es war erst einmal ein paar Minuten ganz still. Es war einfach nicht möglich dieses Gefühl in Worte zu fassen. Wir waren erschöpft und zufrieden zugleich.

Insgeheim fragte mich wie wir eigentlich den morgigen Tag verbringen sollten, so ganz ohne Fahrrad fahren?!?


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