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NIGHT RIDE Berlin – Ostsee

Die Idee zum Night Ride Berlin-Ostsee kam mir am Tag zuvor. Ich fragte mich welche Tour wir dieses Wochenende unternehmen könnten und dachte dass es durch die angesagten 32° leider eine etwas kleinere Tour oder mit einem Seeaufenthalt verbunden sein wird. Oder wir machen einfach mal einen Night Ride?!? Laut Wetterbericht sollte es nicht unter 15° abkühlen… Die Voraussetzungen waren also perfekt. Nun war nur noch die Frage wohin? Durch das vorausgesagte Wetter wäre ein See das perfekte Ziel… oder gleich die Ostsee?!? 250km bei Nacht ohne Schlaf? War das möglich?

Ich versuchte den Gedanken erst mal zu verdrängen… Nach dem Mittagessen ging es mir immer noch nicht aus dem Kopf und ich rufte Max an um ihn zu fragen was er von der Idee hielt… „I’m in“ war seine Antwort. Nun gab es kein Zurück mehr. Schnell noch ein Event auf einem sozialen Netzwerk gepostet, wodurch sich noch weitere vier Wagemutige einfanden.

Wir trafen uns dann am Samstag um 23:30h am Alexanderplatz in Berlin. Chris von Optimus Fixed hatte noch kurzer Hand einen Pre Night Ride organisiert, wodurch wir von ca. 20 Mann zum Start angefeuert wurden. Wir waren alle voller Tatendrang und fuhren gleich mit 30km/h+ los. Insgesamt waren wir anfangs sechs Leute, davon vier Fahrer Fixed (Max, Gerrard, Basti und Ich), einer mit Single Speed (Florian) sowie einer mit Gangschaltung (Leander). Die Strecke ist so noch niemand von uns gefahren. Nur Florian kannte bereits einige Teilstücke.

Die Routennavigation hatte ich am Nachmittag zuvor geplant und führte uns größtenteils entlang des Berlin-Usedom Radwegs… der wie sich rausstellte doch eher für Tourenräder geeignet war. Er hatte von Kopfsteinpflaster über enge Waldwege bis hin zu Schotterpfaden alles zu bieten was keine perfekten Voraussetzungen für eine einfache Tour sind. Gerade bei Nacht kann eine Walddurchfahrt mit engen Kurven und vielen Hindernissen ganz schön anstrengend sein. Trotzdem war es an sich atemberaubend. Die Stille und der sternklare Himmel sind einfach unbeschreiblich.

Anfangs kamen wir recht zügig voran und machten nur wenige kleinere Pausen um unsere Trikottaschen mit neuen Riegeln zu füllen. Nach gut 100km machten sich dann die ersten Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Wir saßen bereits knapp vier Stunden im Sattel und hatten alle nicht vorab geschlafen… Es war immer noch dunkel und man orientierte sich am Vordermann. Unsere Lampen spielten Schattenspiele und man fiel teilweise in eine Art Trance Zustand. Das Gehirn funktionierte nicht mehr zu 100% und der Körper konzentrierte sich auf das Nötigste… Linker Fuss, rechter Fuss. Ich kam in einen Flow, den ich bis dato noch nicht erreicht hatte. Ich war erschöpft jedoch innerlich zufrieden zugleich. Auch alle anderen Mitfahrer hatten ein ähnliches Gefühl und wir fuhren einfach weiter… die Tachonadel zeigte immer noch um die 30km/h und wir hatten immer noch gut Druck auf dem Pedal.

Leider hatte Basti, der vierte Fixed Gear Fahrer, bereits von Anfang an mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen (die ich hier nicht genauer erläutern möchte. Ich sag nur dass auch fünf Bananen dem nicht entgegen wirken konnten) und musste nach der Hälfte in Prenzlau das Team verlassen um mit dem Zug wieder zurück zu fahren.

Die nächsten Kilometer waren wir alle sehr ruhig… doch wir mussten weitermachen und durften uns nicht entmutigen lassen. Gegen 5:00h fing es langsam an zu dämmern und es war eine wirklich schöne Atmosphäre als die Sonne langsam gen Himmel stieg, der Nebel noch in den Tälern lag und sogar ein paar Rehe und Hasen unsere Wege kreuzten.

Wir waren alle guter Dinge und fühlten uns schon auf der Zielgeraden… Doch dann bei ca. 180km um 7:00h morgens kam nochmal ein Tiefpunkt… Der Körper wollte nicht mehr und zeigte das auch. Die Konzentration ließ nach und die Sicht war auf Scheuklappen gestellt. Bis jetzt hatten wir noch keine große Pause gemacht. Wir nahmen uns das 20km entfernte Anklam als Ziel vor. Dies sollte noch möglich sein… Dass unsere Route über einen ca. 5km langen sandigen Feldweg führt hatten wir jedoch nicht bedacht. Dies raupte uns noch die letzten Kräfte. Auf den letzten Kilometern sagte Niemand einen Ton und wir fuhren im Auto Pilot Modus bis wir endlich das Ortsschild „Anklam“ sahen. Die erste Bäckerei die wir sahen wurde sofort geplündert… Der Grünstreifen auf einem Parkplatz war perfekt als Sitzgelegenheit geeignet. Wir gingen keinen Schritt mehr der nicht nötig war. Nach zahlreichen Crossaints, Kuchenstücken, etc. fühlten wir uns wieder gestärkt für die letzten 50km.

Die Pause war wirklich gold wert… Wir rollten die letzten 50km bis zur Ostsee. Als wir am Seebad Heringsdorf ankamen konnten wir es kaum glauben. Wir hatten es geschafft!!! Alle waren erleichtert und hatten ein breites Grinsen im Gesicht! Nach dem obligatorischem Finisher Foto ging es dann erstmal in die Ostsee zum abkühlen. Danach erholten wir uns noch bis zum späten Nachmittag am Strand und fuhren dann gegen Abend wieder mit dem Zug zurück nach Berlin.

Fortsetzung folgt… bestimmt!


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